Wer bin ich, wenn ich mich nicht erinnere? (Nr. 78)
Seit dem rassistischen Brandanschlag, bei dem Furkan seine ganze Familie verliert, liegt sein Leben in Scherben. Sozial isoliert und ohne Schulabschluss, hält er sich und seine, an Demenz erkrankte Großmutter, als Pizzalieferant über Wasser.
Furkan leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die ihn in Visionen, Panikattacken und Alpträumen heimsucht. In schlaflosen Nächten sprüht er als KAAN Grafitti voller Wut an die Wände der Stadt.
Leseprobe
Sein Atem war schwer, der Flur war schwarz und er sah nur die Flammen, wie sie alles verbrannten, was ihm je etwas bedeutet hatte. Der Rauch brannte in seiner Lunge und langsam schlossen sich seine Augen.
Schweißgebadet und nach Luft keuchend wachte Furkan auf. Seine Finger hatten sich in das Polster des Sofas gekrallt und er sah sich panisch im Raum um, bis er schließlich feststellte, dass alles gut zu sein schien – nur wieder einer seiner Alpträume. Mit Schwindel stand er auf und ging in die Küche, setzte Teewasser auf.
Während das Wasser kochte, schaute er gelangweilt aus dem Fenster und beobachtete, wie die Regentropfen die Fensterscheiben hinunterkullerten. Klick – das Wasser war fertig. Furkan öffnete den Oberschrank und holte zwei Tassen heraus. Er füllte das Wasser in die erste Tasse und bemerkte nicht, wie es überlief. Plötzlich spürte er einen brennenden Schmerz in seiner linken Hand. Er ging zum Waschbecken und hielt seine Hand unter den kühlenden Strahl.
