Schülerinnen und Schüler schreiben ihren eigenen Roman

»Im Schulhausroman können Jugendliche alles sein, sogar Superhelden. Denn hier sind Wörter nicht etwas, was man richtig schreiben muss. Nein, hier sollen sie uns in eine andere Welt entführen.« (Schreibtrainerin Birgit Utz, Frühjahr 2018)

Jede/r kann schreiben!

Das ist die grundlegende Idee des »Schulhausromans«. Ein Autor oder eine Autorin (auch Schreibtrainer/in genannt) besucht regelmäßig über mehrere Monate eine Schulklasse und unterstützt sie beim Schreiben eines eigenen Romans. Schreiben gilt hier als künstlerischer Akt und nicht als orthografisch korrekte Höchstleistung. Es geht darum, eine gute Geschichte zu erzählen.

Katharina Hagena und Klasse 8 der Stadtteilschule Horn zeigen stolz das Buchcover hoch © Nils Jaspersen

»Saddam ist ein Styler, er hat blau-grüne Augen und einen Kanakenhaarschnitt. Er macht Thaiboxen, Kickboxen und spielt gerne Fußball in seiner Freizeit. Er trägt immer eine Gangsterkette und einen Rolex-Ring in Gold. Er hat ein bisschen braune Haare. Wenn er zu den ›Rich-Kids‹ geht, zieht er sich fein an.«

aus »Die Rache der Liebe«, Schulhausroman der Gesamtschule Kirchdorf

»Liebes-Koma«, Rache und Sehnsucht, Mobbing und Schulprobleme, Verbrechen und Verzweiflung, Freundschaft und Liebe – niemand kennt sich in Teenagerherzen besser aus als die Jugendlichen selbst. Was sie bewegt und beschäftigt, wovon sie träumen und was sie fürchten, davon erzählen die Schulhausromane – jeder auf seine ganz eigene Art. Brennende Themen werden offen diskutiert und später literarisch verwandelt. Und natürlich ist der Roman auch hier ein weitläufiges Spielfeld, um fiktional auszuprobieren, was in der Realität nicht möglich ist.

»Tom Keinelust – Er kann schnell laufen, hoch springen und die Zeit zurückspulen. Aber er hat eine große Schwäche gegen Schulprojekte, keine Lust mitzumachen. Sein größter Wunsch ist, schulfrei zu haben und die Welt zu retten. Am meisten Angst hat er vor Mathe. Er kann sich teleportieren lassen.«

eine Figur aus dem Roman »Super Naturals«, Stadtteilschule am Hafen, Frühjahr 2018

Das Projekt wendet sich gerade auch an Jugendliche, für die Schreiben, zumal in deutscher Sprache, keine Selbstverständlichkeit ist. Der »Schulhausroman« wird an Stadtteil- und Berufsschulen für die Klassen 7-10 angeboten und fördert nebenbei eine Vielzahl von Kompetenzen im sprachlichen, sozialen, interkulturellen und diskursiven Bereich – und darüber hinaus eine kreative Auseinandersetzung mit der Welt.

Richard Reich © Nils Jaspersen

Ein Projekt mit Geschichte

Erfinder der Schreibwerkstatt ist der Schweizer Schriftsteller Richard Reich, der das Projekt 2005 gemeinsam mit der Germanistin und Lektorin Gerda Wurzenberger gestartet hat. Mittlerweile ist der »Schulhausroman« in weiten Teilen der Schweiz sowie in Niederösterreich und neben Hamburg auch in Bremen etabliert. Seit 2005 haben in der Schweiz, Deutschland und Österreich über hundert Schreibtrainer/innen mit mehreren tausend Schüler/innen über zweihundert Schulhausromane erarbeitet. Seit 2010 ist das Projekt erfolgreiche Praxis in Hamburg.

Die Zusammenarbeit mit den Schriftstellern verschaffe den Schülerinnen und Schülern ein ungekanntes Erfolgserlebnis, so der Gründer des Projekts Richard Reich: »Durch das Mitgestalten eines längeren Erzähltextes wird ihr Selbstbewusstsein im sprachlichen Ausdruck gestärkt. Die Schüler erleben, wie ihre Ideen von den Autoren aufgenommen und damit ernst genommen werden, und dass diese Ideen literarisch interessant, also ›etwas wert‹ sind.«

Laura de Weck © Nils Jaspersen

Schriftsteller/innen als Schreib­trainer/innen

Die Schreibtrainer/innen stehen zu Beginn des Projekts vor der Herausforderung, die Jugendliche überhaupt erst ins (gemeinsame) Schreiben zu bringen. Dabei gibt es fast so viele Methoden wie Autoren, die sie anwenden: Manche gehen dabei über die Erfindung von Figuren, andere über das Schreiben von Listen; manche finden den Einstieg über Ortsbegehungen außerhalb des Klassenzimmers, manchmal weist auch ein Lieblingsfilm den Weg in die Geschichte. Geschrieben wird einzeln oder in Gruppen. Im Schreibprozess werden immer wieder einzelne Kapitel und Erzählstränge diskutiert. Schließlich gilt es die Textbausteine zusammenzufügen, Übergänge für die Schnitt- und Bruchstellen zu finden, die Kontinuität im Auge zu behalten und am Ende eine Textfassung zu haben, mit der sich die Jugendlichen identifizieren können.

© Nils Jaspersen

Publikation und Abschluss­präsentation

Die Schulhausromane werden teilweise als »work in progress« auf der Website abgebildet, liegen nach Fertigstellung gedruckt vor, verfügen hoch offiziell über eine ISBN und enthalten die Namen der jugendlichen Autorinnen und Autoren ab. Die Drucklegung des Buches ist ein entscheidender und nachhaltiger Aspekt des »Schulhausromans«. Krönender Abschluss jeder Schreibwerkstatt ist natürlich die große Abschlusspräsentation im Saal des Literaturhauses. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts, denn sie sorgt für »das Sichtbarwerden der Schreibenden auf der Bühne eines anerkannten Kulturinstituts« (Richard Reich).

Sie können den Schulhausroman in gedruckter Form auch bei uns bestellen. Das Heft kostet 5,00 Euro zzgl. Versandkosten. Schreiben Sie uns gern einfach eine Mail an schulhausroman@literaturhaus-hamburg.de mit ihren Titelwünschen und wir beschicken Sie samt Rechnung.

»Schulhausroman«tische Impressionen

And the winner is: Schüler, Lehrer und Autoren

Eine Horizonterweiterung für Schüler und Lehrkräfte!

Katja Rosenau, Lehrerin STS Hamburg-Mitte

Es war wunderbar, die Schüler und Schülerinnen von ihren ersten Ideen bis zum fertigen Text begleiten zu dürfen

Jens Eisel, Schreibtrainer, Frühjahr 2018

Hey, komm mal Literaturhaus, Mann! Schwanenweg …“

SMS eines Schülers an Freunde während der Abschlusspräsentation im Januar 2018

Ausgewählte Medienberichte

  • kju, September 2018
  • Hamburger Abendblatt, 27. Januar 2018
  • NDR Kultur, 8. Juni 2010